Prävention von Muskel-Skeletterkrankungen in der kolumbianischen Blumenindustrie

Autor: Mohaved Nokhbezaim

Hochschule: Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Standort Remagen, Bachelorarbeit, 2010

Kurzfassung: In der kolumbianischen Blumenindustrie werden seit vielen Jahren Muskel-Skelett-Erkrankungen – vor allem der distalen oberen Extremität und insbesondere das Carpaltunnelsyndrom (CTS) – als Ursache für Krankheitstage und eingeschränkte Produktivität beobachtet. CTS wird dort bereits als Berufskrankheit anerkannt und entsprechende Leistungen werden von den Unfallversicherungen getragen. Daher hat die kolumbianische Unfallversicherung ARP SURA zusammen mit der Universität Javeriana Bogota  ein Präventionsprojekt zur Vermeidung von CTS in der kolumbianischen Blumenindustrie gestartet.

Voraussetzung für eine präventiv erfolgreiche Intervention ist die genaue Kenntnis über Risikofaktoren und ihre objektive Ermittlung am Arbeitsplatz. Zu diesem Zweck hat das IFA ein spezielles CUELA1-System zur Erfassung und Bewertung von CTS-Risikofaktoren entwickelt. Damit wurden in dieser Arbeit die Belastungen der distalen oberen Extremität an 30 Probanden in sechs verschiedenen Unternehmen der kolumbianischen Blumenindustrie messtechnisch erfasst und analysiert. In der Analyse der Messdaten wurden die Messparameter wie Verteilung der Winkelwerte für Handgelenksbewegungen, deren Geschwindigkeit und Mittenfrequenz (mean power frequency = MPF) berechnet, einer deskriptiven statistischen Auswertung zugeführt und für die vergleichende Gegenüberstellung graphisch aufgearbeitet. Anhand dessen können einzelne Belastungen und Belastungsprofile für die verschiedenenTätigkeiten quantitativ beschrieben und im Zusammenhang mit den Daten aus den medizinischen Untersuchungen der Universität Bogota beurteilt werden. Anhand dieser Auswertungen können CTS-Risikomodelle weiterentwickelt und geeignete Präventionsmaßnahmen abgeleitet werden. 

Zur vollständigen messtechnischen Erfassung der CTS-Risikofaktoren fehlte jedoch noch die Registrierung eines Messparameters für den Kraftaufwand der Hände. Daher wurde im IFA an einer Erweiterung des CUELA-Systems um ein EMG2-Modul und ein entsprechendes Messprotokoll gearbeitet, siehe Bachelorarbeit von Alexandros Rodostehnous.

1 CUELA = Computerunterstützte Erfassung und Langzeitanalyse von Muskel-Skelett-Belastungen
2 EMG = Elektromyographie

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