Arbeitsmedizinische Vorsorge

Stand: März 2014

Ärztin beim Betrachten eines Röntgenbildes

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2.1 Können ERB für alle im Anhang der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) aufgeführten krebserzeugenden Stoffe abgeleitet werden?

2.2 Falls gegenwärtig wegen der unzureichenden Datenlage für einen krebserzeugenden Stoff noch keine Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen aufgestellt werden können: Sind trotzdem spezielle Vorsorgeuntersuchungen erforderlich?

2.3 Werden analog zu den aus der ERB abgeleiteten Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen auch Biomonitoring-Werte ermittelt?

2.4 bis 2.6 Kann man davon ausgehen, dass bei Einhaltung der Toleranzkonzentration für krebserzeugende Gefahrstoffe keine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge erforderlich ist? Wird bei den im Anhang der ArbMedVV aufgeführten Stoffen bei Überschreitung der spätestens ab 2018 geltenden Akzeptanzkonzentration Pflichtvorsorge ausgelöst? Welche Faktoren für die Auslösung von arbeitsmedizinischer Vorsorge werden bei Stoffen herangezogen, für die noch keine ERB aufgestellt sind?

2.1. Können ERB für alle im Anhang der Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) aufgeführten krebserzeugenden Stoffe abgeleitet werden?

Im Anhang „Arbeitsmedizinische Pflicht- und Angebotsvorsorge“ Teil 1 (1) „Tätigkeiten mit Gefahrstoffen“ finden sich u. a zahlreiche krebserzeugende Stoffe. Grundsätzlich können für diese Stoffe ERB, in Einzelfällen auch AGW, abgeleitet werden. Dies ist jedoch abhängig von der wissenschaftlichen Datenbasis.

In der TRGS 910, Anlage 1 sind stoffspezifische Konzentrationswerte für eine Reihe von Stoffen veröffentlicht. Für Hartholzstaub, Ethylenimin und o-Toluidin ist die Ableitung einer ERB derzeit nicht möglich, da die Datenbasis nicht ausreichend ist. Für Chrom(VI)-Verbindungen soll ein Beurteilungsmaßstab in der in Vorbereitung befindlichen TRGS „Tätigkeiten mit krebserzeugenden Metallen und ihren Verbindungen" verankert werden.

2.2. Falls gegenwärtig wegen der unzureichenden Datenlage für einen krebserzeugenden Stoff noch keine Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen aufgestellt werden können: Sind trotzdem spezielle Vorsorgeuntersuchungen erforderlich?

Die ArbMedVV spricht von Vorsorge, nicht von Vorsorgeuntersuchungen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) empfiehlt, im Rahmen der Vorsorge bestimmte Untersuchungen anzubieten. In den „DGUV Grundsätzen für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen“ sowie in den „Handlungsanleitungen für die arbeitsmedizinische Vorsorge“ (DGUV Information 250 (bisher: BGI/GUV-I 504)) der DGUV sind Empfehlungen für die Durchführung der Vorsorge und für die Auswahl des Personenkreises für die arbeitsmedizinische Vorsorge niedergelegt.

Nach Ansicht der DGUV sind spezielle arbeitsmedizinische Untersuchungen im Rahmen der Vorsorge bei Tätigkeiten mit krebserzeugenden Stoffen (Kategorien 1 und 2 nach EG-Richtlinie 67/548 bzw. 1A und 1B nach CLP-Verordnung) zu empfehlen.

2.3 Werden analog zu den aus der ERB abgeleiteten Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen auch Biomonitoring-Werte ermittelt?

Die TRGS 910 enthält in Anlage 2 als Beurteilungsmaßstäbe für das Biomonitoring Äquivalenzwerte zu den Akzeptanz- und Toleranzwerten.

2.4 Kann man davon ausgehen, dass bei Einhaltung der Toleranzkonzentration für krebserzeugende Gefahrstoffe keine arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge erforderlich ist?

2.5 Wird bei den im Anhang der ArbMedVV aufgeführten Stoffen bei Überschreitung der spätestens ab 2018 geltenden Akzeptanzkonzentration Pflichtvorsorge ausgelöst?

2.6 Welche Faktoren für die Auslösung von arbeitsmedizinischer Vorsorge werden bei Stoffen herangezogen, für die noch keine ERB aufgestellt sind?

Die aktuell gültige ArbMedVV besagt, dass eine Pflichtvorsorge bei krebserzeugenden Stoffen nach Anhang, Teil 1, Absatz 1 zu veranlassen ist, wenn

  1. der Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) nicht eingehalten wird
  2. eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann
  3. der Gefahrstoff hautresorptiv ist und eine Gesundheitsgefährdung durch Hautkontakt nicht ausgeschlossen werden kann.

Für die übrigen krebserzeugenden Stoffe ist nach Absatz 2 eine Angebotsvorsorge zu veranlassen, wenn eine wiederholte Exposition nicht ausgeschlossen werden kann.

Die in der TRGS 910, Anlage 1 veröffentlichten Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen für krebserzeugende Stoffe sind keine AGW im Sinne der GefStoffV. Somit sind die Punkte b) und c) für eine Entscheidung zur Pflichtvorsorge maßgeblich. Eine Reihe krebserzeugender Gefahrstoffe hat jedoch einen AGW, das betrifft bisher keine Stoffe aus ArbMedVV, Anhang, Teil 1, Absatz 1.

Eine Hilfe für den Unternehmer bieten bei Stoffen aus dem Anhang, Teil 1 der ArbMedVV die „Handlungsanleitungen für die Arbeitsmedizinische Vorsorge“ (DGUV Information 250, bisher: BGI/GUV-I 504) der DGUV. Sie enthalten Hinweise für die Gefährdungsbeurteilung und die Auswahl des Personenkreises für die arbeitsmedizinische Vorsorge sowie für deren Durchführung. Insbesondere für krebserzeugende Stoffe ohne AGW stellen diese Handlungsanleitungen nach Ansicht der DGUV eine wichtige Hilfestellung dar.

Wichtigster Faktor für die Entscheidung, bei welchem Personenkreis arbeitsmedizinische Untersuchungen zu empfehlen sind, ist die Gefährdungsbeurteilung. Mit ihr werden Arbeitsverfahren und Tätigkeiten beurteilt, bei denen Gefährdungen aufgrund des Expositionsniveaus gegeben sein können. Die Entscheidung, ob eine arbeitsmedizinische Untersuchung zu empfehlen ist, kann nur in Abhängigkeit von der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung vor Ort und bezogen auf den Einzelfall getroffen werden. Unabhängig davon hat der Arbeitgeber weiterhin sicherzustellen, dass für die Beschäftigten eine allgemeine arbeitsmedizinisch-toxikologische Beratung durchgeführt wird.

Abkürzungen

  • AGS > Ausschuss für Gefahrstoffe
  • AGW > Arbeitsplatzgrenzwert
  • ArbMedVV > Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge
  • BekGS > Bekanntmachung zu Gefahrstoffen
  • ERB > Exposition-Risiko-Beziehung
  • GefStoffV > Gefahrstoffverordnung
  • TRGS > Technische Regel für Gefahrstoffe