Der Mensch im Mittelpunkt: Prioritäten für den Arbeitsschutz von morgen

Collage aus Mann in Jacket und Schlafanzughose mit Aktentasche vor gerahmtem Foto mit Frau und Kind beim Vorlesen im Bett

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Ergebnisse des DGUV Risikoobservatoriums: 10 Top-Präventionsthemen im Überblick
Bild: DGUV, Grafik: saatwerk.de

Collage aus Fahrzeug, Uhren, Turnerin bei Laptoparbeit, Ampel, Computermaus

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Mobilität stellt Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit vor große Herausforderungen.
Bild: DGUV, Grafik: saatwerk.de

Alle reden von Arbeiten 4.0. Wenige von den Folgen für Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten. Welche Risiken verknüpfen sich mit aktuellen und anstehenden Veränderungen der Arbeitswelt? Wie kann der Arbeitsschutz ihnen begegnen? Und wo besteht besonderer Handlungsbedarf? Diese Fragen hat das IFA in einer groß angelegten Untersuchung beantwortet. Fazit: Arbeitsverdichtung, demografischer Wandel und Digitalisierung sind die dringlichsten Themen, wenn es um den Schutz von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit geht. Aber auch nicht arbeitsbezogene Gesundheitsthemen wie falsche Ernährung und bewegungsarmes Freizeitverhalten betreffen die Arbeitsfähigkeit der Erwerbstätigen erheblich und fordern den Arbeitsschutz. Details beschreibt eine Broschüre.

Neue Entwicklungen in Technologie, Gesellschaft, Ökologie, Wirtschaft und Politik prägen eine zunehmend komplexe Arbeitswelt. Damit verbunden sind neue Anforderungen an die Beschäftigten, und es entwickeln sich neue Sicherheits- und Gesundheitsrisiken.

Die Früherkennung von Trends und die wissenschaftliche Betrachtung möglicher Konsequenzen für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht zu entscheiden, was für den Menschen zumutbar ist und wie Arbeit menschengerecht gestaltet wird.

Das DGUV Risikoobservatorium im IFA ist ein solches Früherkennungssystem. Es fragt nach wichtigen Entwicklungen in der Arbeitswelt und neuen Risiken am Arbeitsplatz, in Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen. Ziel ist eine im Vorgriff wirksame, proaktive Prävention.

Warum ein Risikoobservatorium?

Im Rahmen einer Online-Befragung bewerten Aufsichtspersonen aller Berufsgenossenschaften und Unfallkassen knapp 100 Entwicklungen, die Einfluss auf die Arbeitswelt nehmen. Solche Entwicklungen sind z. B. die Nutzung von Technologien der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT), ergonomische Belastungen, prekäre Arbeitsverträge, Exposition gegenüber Lärm, körperliche Inaktivität oder ungesunde Ernährung.

Die Befragung soll Antworten auf folgende Fragen geben:

  • Welche Trends haben auf die Sicherheit und Gesundheit der Versicherten besonders großen Einfluss?
  • Welche konkreten Gefährdungen – Erkrankungen, Unfälle, Beanspruchungen – ergeben sich daraus?
  • Welche individuellen Präventionsmaßnahmen schaffen Abhilfe?

Maßgeschneiderte Prävention und Kooperationen

Die Ergebnisse werden sowohl branchenübergreifend als auch branchenspezifisch ausgewertet und durch Literaturrecherchen vertieft. So bekommt jeder Unfallversicherungsträger (UVT) individuelle Informationen zu seinen Top-Trends, den damit verknüpften Risiken und denkbaren Präventionsmaßnahmen, siehe Beispielberichte der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (PDF, 466 kB), Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (PDF, 894 kB) und der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (PDF, 656 kB).

Gleichzeitig ermöglicht es das Risikoobservatorium, gemeinsame Top-Themen und damit Ansatzpunkte für Vernetzung, Austausch und Zusammenarbeit sichtbar zu machen. Prioritäten – vor allem bei kostspieligen Präventionsmaßnahmen wie Forschungsprojekten – sind so einfacher zu setzen, trägerspezifisches Know-how lässt sich leichter teilen. Das spart Ressourcen und vermeidet Doppelarbeit.

Ergebnisse der ersten Befragungsrunde

Die erste Befragungsrunde wurde Ende 2015 abgeschlossen. 400 Aufsichtspersonen nahmen daran teil. Die Ergebnisse zeigen, dass nahezu alle Berufsgenossenschaften und Unfallkassen drei Themen als besonders dringlich betrachten:

  • Arbeitsverdichtung und Verantwortungsausweitung
  • Zunehmender Anteil älterer Menschen
  • Vernetzung, Erreichbarkeit, Kontrolle durch Computer und IKT

Die Relevanz dieser und sieben weiterer Themen für den Arbeitsschutz beschreibt eine Broschüre zu den Ergebnissen der ersten Befragungsrunde (E-Book aufrufen).

Präventionsmaßnahmen für die Praxis

Diese Entwicklungen sind zentral für den Arbeitsschutz der kommenden Jahre. Das Risikoobservatorium hält deshalb für diese Themen eine große Palette von Präventionsvorschlägen bereit. So vielschichtig die Trends, so verschiedenartig und passgenau muss die Prävention sein. Sie muss sich vor allem in der betrieblichen Praxis bewähren, auch bei kleinen und kleinsten Unternehmen. Dabei bieten sich Maßnahmen aus allen Bereichen der Prävention an: von der Beratung über die Prüfung bis hin zur Forschung. Für die genannten Top-Trends heißt das zum Beispiel konkret:

  • Erarbeitung tätigkeitsbezogener Regeln und Handlungshilfen zur gesunden und sicheren Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)
  • Integration des Themas "Sichere und gesunde Nutzung von IKT", insbesondere bei mobil Beschäftigten, in die Ausbildung der Aufsichtspersonen
  • Entwicklung von Prüfgrundsätzen und Angebot einer freiwilligen Ergonomie-Prüfung mit Prüfzeichenvergabe zur Unterstützung von IKT-Herstellern bei der Entwicklung ergonomischer Soft- und Hardware (z. B. Halterungen für IKT-Geräte in Kraftfahrzeugen)
  • Studie zu zukünftigen Einsatzfeldern und Risikopotenzial von Datenbrillen und Ableitung von Präventionsempfehlungen
  • Erforschung der speziellen Bedürfnisse älterer Beschäftigter an die Usability von IKT und Ableitung von Umsetzungsempfehlungen für Entwickler und Hersteller
  • Präventionskampagne zur Sensibilisierung der Arbeitgeber für das Thema "Arbeitsverdichtung, Arbeitshetze, Stress"
  • Schaffung eines UVT-übergreifenden Kompetenzzentrums für die Durchführung von "Organisationsanalysen" in Unternehmen
  • Ausschreibung eines Arbeitsschutzpreises für Einrichtungen/Betriebe mit hervorragendem Alters-Management (Best-Practice-Promotion)
  • Angebot von standardisierten, regelmäßigen, altersunabhängigen arbeitsmedizinisch-psychologischen Vorsorgeuntersuchungen

Evaluation

Um sicherzugehen, dass die Ergebnisse des Risikoobservatoriums auch tatsächlich den Arbeitsschutzbedarf der Praxis spiegeln, fand nach der ersten Befragungsrunde eine betriebliche Evaluation statt. Dazu hat das IFA mehr als 700 Fachkräfte für Arbeitssicherheit (Sifa) befragt. Das Ergebnis: Die Realität in den Betrieben wird durch die Einschätzung der Aufsichtspersonen gut abgebildet.

Wie geht es weiter?

Im Frühjahr 2017 hat die nächste Befragungsrundestarten begonnen.

Ergebnisbericht Runde 1

Veröffentlichungen zum Thema:

Ansprechpartnerin:

Dipl.-Übers. Ina Neitzner

Zentralbereich: Fachübergreifende Aufgaben

Tel: 02241 231-2721
Fax: 02241 231-2234