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Mit Markern präparierter Proband beim Schaufeln mit der Messschaufel bei der Aufnahme von Schüttgut, Bild: IFA
Mit Markern präparierter Proband beim Schaufeln mit der Messschaufel beim Wegschaufeln, Bild: IFA
Ansprechpartner:
Fachbereich 4
Priv.Doz. Dr. Ulrich Glitsch
Alte Heerstraße 111
53757 Sankt Augustin
Tel.: 02241 231-2665
Fax: 02241 231-2234
Belastung der Lendenwirbelsäule bei Schaufeltätigkeiten
Die Belastung der Lendenwirbelsäule durch Schaufeltätigkeiten wurde von Seiten der Unfallversicherungsträger in Feststellungsverfahren der Berufskrankheit 2108 (Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule) bisher sehr unterschiedlich beurteilt, da keine einheitliche Beurteilungsgrundlage zur Verfügung stand. Das Schaufeln unterscheidet sich von anderen Tätigkeiten wie z. B. dem Heben und Tragen durch das geringe Lastgewicht, das aber sehr körperfern mit der Schaufel gehandhabt wird. Außerdem verlangt das Schaufeln immer räumlich ausgreifende Bewegungen, sodass kein zweidimensionaler Analyseansatz benutzt werden kann.
Ziel dieses Forschungsprojektes war die Bestimmung der Lendenwirbelsäulenbelastung bei Schaufeltätigkeiten. Mithilfe biomechanischer Bewegungs- und Belastungsmessungen wurden die äußeren Muskel-Skelett-Belastungen beim Schaufeln in unterschiedlichen praxisnahen Arbeitssituationen unter Laborbedingungen bei fünf erfahrenen Fachkräften aus unterschiedlichen Bereichen des Baugewerbes erfasst. Das Untersuchungskonzept umfasste fünf unterschiedliche Schüttgüter und drei unterschiedliche Arbeitsanforderungen hinsichtlich Wurfdistanz und -höhe. Aus den Messdaten wurden die zugehörigen Kompressionskräfte an der untersten lumbalen Bandscheibe mit dem biomechanischen Modell "Der Dortmunder" berechnet.
Die Untersuchungsergebnisse zeigten eine ausgeprägt dreidimensionale Belastungssituation des Muskel-Skelett-Systems beim Schaufeln. Die Schaufeltechniken der Probanden waren individuell sehr verschieden. Nach ihrem Arbeitstempo konnten sie in die zwei Gruppen „Regelfall“ und „Sonderfall“ – wie es bei Akkordarbeit, z. B. bei Estrichlegern, vorkommt – eingeteilt werden. Dementsprechend differierten auch die maximalen Bandscheibenkompressionskräfte von im Mittel ca. 3 ½ bzw. 6 ¼ kN. Die zugehörigen Belastungsdauern im Schaufelzyklus waren umkehrt zum Arbeitstempo von rund 2 auf 1 ½ s verkürzt. Eine generelle Abhängigkeit der Kompressionskräfte von Schüttgut, Wurfdistanz bzw. -höhe konnte nicht gefunden werden.
Auf dieser Datengrundlage soll nun mit Experten der BG BAU ein einheitliches Bewertungsschema zur Abschätzung der
Lendenwirbelsäulenbelastung für die unterschiedlichen Schaufeltätigkeiten erstellt werden.
Zum Download
Handlungsanleitung: Ermittlung der Wirbelsäulenbelastung in BK-2108-Feststellungsverfahren

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