Berufsgenossenschaften: Schutzmaßnahmen für sichere Karusselltüren kein Problem

16.12.2004

Unfälle an automatischen Karusselltüren lassen sich in Zukunft verhindern. Einen umfassenden Katalog mit Maßnahmen zum Personenschutz an automatischen Karusselltüren hat das Berufsgenossenschaftliche Institut für Arbeitsschutz - BIA jetzt vorgestellt. Dieser Katalog ist auch mit Herstellern und Betreibern solcher Türen abgestimmt.

Unterstützt wurde das BIA bei diesem Projekt vom berufsgenossenschaftlichen Fachausschuss Bauliche Einrichtungen, der dabei eng mit der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Arbeitsschutz (LAFA) zusammenarbeitet. Auslöser für die Initiative war der Unfalltod eines Kleinkindes, das im März in einer Karusselltür am Flughafen Köln-Bonn eingeklemmt und tödlich verletzt wurde.

Der Maßnahmenkatalog ist das Ergebnis einer mehrmonatigen Untersuchung von Karusselltüren verschiedener Typen im Praxiseinsatz: In unterschiedlichen Gewerbezweigen ermittelten die Arbeitsschutzforscher die Gefährdungen und überprüften die Wirksamkeit der eingesetzten Schutzeinrichtungen. "Das Ergebnis war sehr beunruhigend", so das Fazit von Dr. Michael Schaefer, zuständiger Bereichsleiter im BIA. "Nicht eine der untersuchten Türen war ausreichend sicher, gemessen an den Anforderungen der Europäischen Maschinenrichtlinie. Im Gegenteil: Für schutzbedürftige Personen, also Kinder, Behinderte oder ältere Menschen, bestand akute Verletzungsgefahr. Deshalb mussten wir bei zwölf von 14 Türtypen die sofortige Stilllegung empfehlen."

Anhand der Gefährdungsanalyse hat das BIA konkrete Schutzmaßnahmen erarbeitet: von technisch einfachen, kostengünstigen Lösungen, wie dem Einbau schwächerer Motoren, die nur eine niedrige Drehgeschwindigkeit der Türen zulassen, bis zu hoch modernen Schutzeinrichtungen, die beispielsweise Menschen in der Nähe der Tür erkennen und die Tür bei Annäherung automatisch bremsen. Die durchschnittlichen Kosten, die anfallen, um eine neue Karusselltür nach diesen Vorgaben abzusichern, belaufen sich nach Schätzungen der Experten auf circa 2000 Euro. "Bedenkt man, dass der Anschaffungspreis für eine Karusselltür bei ungefähr 70.000 Euro liegt, darf diese Summe eigentlich nicht ins Gewicht fallen", erklärt Schaefer. "Bei Nachrüstungen dürften die Kosten allerdings deutlich höher liegen." Berücksichtige man, dass diese Maßnahmen Leben retten, seien sie aber eigentlich nicht mit Geld aufzuwiegen.

Als weitere praktische Hilfe haben die BIA-Fachleute eine Checkliste erarbeitet, mit der die Betreiber die Sicherheit ihrer Türen auf einfache Weise regelmäßig überprüfen können. Auch wurde ein Prüfkörper entwickelt, mit dem festgestellt werden kann, ob die Kräfte an einer Tür zu hoch sind. Bis Mitte kommenden Jahres wollen die Fachleute außerdem die unzureichende deutsche Vornorm für Automatiktüren DIN V 18650 überarbeiten und eine neue europäische Norm auf den Weg bringen. Schon im Januar 2005 wird das BIA außerdem Grundsätze für die Prüfung von Karusselltüren vorlegen, die viele Prüfstellen in Deutschland anwenden wollen.

Schaefer: "Nun ist es an den Türherstellern und -betreibern, die Schutzmaßnahmen auch wirklich umzusetzen. Wir sind zuversichtlich, dass das passiert, denn die Sicherheitsprobleme sind ernst und die Unfälle an automatischen Karusselltüren lassen sich in Zukunft verhindern."

Weitere Informationen

Forschungsprojekt
Karusselltüren

Ansprechpartner:

Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA)
Fachbereich 5
Dr. rer. nat. Michael Schaefer
Alte Heerstraße 111
53757 Sankt Augustin
Tel.: 02241 231-2640
Fax: 02241 231-2234