Aktuell notiert: "Haltung" in virtueller Realität

Ein Kooperationsprojekt mit der Hochschule Koblenz

Mann mit VR-Brille

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In virtueller Realität (VR) simulierter Arbeitsplatz
Bild: Hochschule Koblenz

Industrie 4.0 und Arbeiten 4.0 sind eng verknüpft mit dem Wunsch nach wirtschaftlichem Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit. Zunehmende Digitalisierung und Vernetzung haben aber auch Auswirkungen auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Gleichzeitig bieten sie dem Arbeitsschutz ganz neue Möglichkeiten, eventuelle Belastungen am Arbeitsplatz zu untersuchen, zu mindern oder ganz zu vermeiden.

Virtuelle Realität (VR) ist dabei von besonderem Interesse, denn sie macht Untersuchungen überall dort möglich, wo Vor-Ort-Analysen den Arbeitsablauf stören oder Gefahren für die Beschäftigten bedeuten. Aber auch wenn Arbeitsplätze und -verfahren noch in der Konzeptphase sind, eignen sich Simulationen in virtueller Realität.

Gemeinsam mit dem IFA untersucht ein Forschungsteam am RheinAhrCampus der Hochschule Koblenz aktuell, ob sich virtuelle Arbeitsumgebungen eignen, um Haltungsanalysen an Kommissionier-Arbeitsplätzen erfolgreich durchzuführen. Das Ziel: Die Arbeit organisatorisch, technisch und räumlich so gestalten, dass Muskel-Skelett-Belastungen der Beschäftigten weitestgehend vermieden werden.

Dazu kommt an einem virtuellen Arbeitsplatz das vom IFA entwickelte und langjährig eingesetzte CUELA-Messsystem zur Körperhaltungsanalyse zum Einsatz. Bislang fanden Messungen zur Belastung des Muskel-Skelett-Systems bei beruflichen Tätigkeiten mehrheitlich an realen Arbeitsplätzen statt – mit den damit verbundenen Störungen des betrieblichen Ablaufs. Alternativ gab es aufwändige Nachbauten im Labor.

Das aktuelle Projekt soll untersuchen, ob die VR-Messung mit den Praxismessungen vergleichbare Ergebnisse liefert. Wird das bestätigt, ergeben sich daraus gleich mehrere Vorteile: Arbeits- und Zeitersparnis für die Forschenden sowie Entlastung für die Betriebe, in denen sonst Messungen stattfinden müssten.

Der Fokus dieser ersten Untersuchungen liegt bewusst auf Muskel-Skelett-Beschwerden. Sie verursachen jährlich etwa ein Viertel aller krankheitsbedingten Fehlzeiten an Arbeitsplätzen in Deutschland. Damit sind und bleiben sie eine der großen Herausforderungen für den Arbeitsschutz - und für die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. Belegen die Projektergebnisse die Eignung solcher Messungen in virtueller Realität, sind in Zukunft viele andere VR-Untersuchungen zu Arbeitsschutzthemen denkbar.


Projektleitung Hochschule Koblenz

Prof. Dr. Ulrich Hartmann

Projektverantwortung im IFA

Prof. Dr. rer. nat. Rolf Ellegast

Stv. Institutsdirektor

Tel: 02241 231-2705/2706
Fax: 02241 231-2234