Rechtliche Vorgaben zu Lärm am Arbeitsplatz

(Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung)

Paragraphen

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Um den negativen Auswirkungen des Lärms an Arbeitsplätzen zu begegnen und die Beschäftigten vor unnötig hohen Belastungen zu schützen, erließen die Unfallversicherungsträger und staatliche Stellen ab Mitte der 1970er-Jahre verschiedene Vorschriften zum Lärmschutz an Arbeitsplätzen. Davon sind vor allem bedeutsam:

Die Arbeitsstättenverordnung sagt bezüglich des Lärms im Anhang unter Ziffer 3.7, dass der Schalldruckpegel in Arbeitsstätten so niedrig zu halten ist, wie es nach Art des Betriebes möglich ist. Der Schalldruckpegel "ist in Abhängigkeit von der Nutzung und den zu verrichtenden Tätigkeiten so weit zu reduzieren, dass keine Beeinträchtigungen der Gesundheit der Beschäftigten entstehen". Die Anwendung wurde auf den Bereich unterhalb des in der LärmVibrationsArbSchV festgelegten unteren Auslösewertes von 80 dB(A) begrenzt. Die Höhe der zulässigen Geräuschbelastung und ggf. erforderliche Schutzmaßnahmen müssen sich am Stand der Technik und den arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Als Hilfe kann dabei die Richtlinie VDI 2058 Blatt 3 dienen, die die unterschiedlichen Auswirkungen von Lärm beschreibt und in Abhängigkeit von der Tätigkeit Richtwerte von 55 dB(A) und 70 dB(A) vorgibt.

Die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung setzt zwei europäische Arbeitsschutz-Richtlinien (2003/10/EG "Lärm" und 2002/44/EG "Vibrationen") in nationales Recht um. Um die darin festgelegten Anforderungen zu konkretisieren, erarbeitete der Ausschuss für Betriebssicherheit (ABS) Technische Regeln (TRLV) für die Bereiche "Lärm" und "Vibrationen". Bei Einhaltung dieser Technischen Regeln kann der Unternehmer davon ausgehen, dass die Anforderungen der Verordnung erfüllt sind (Vermutungswirkung).

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung hat der Arbeitgeber festzustellen, ob die Beschäftigten Lärm ausgesetzt sind oder ausgesetzt sein könnten. Darüber hinaus sind mögliche Wechsel- oder Kombinationswirkungen bei gleichzeitiger Belastung durch Lärm und arbeitsbedingte ototoxische Substanzen zu berücksichtigen (siehe Positionspapier "Ototoxische Arbeitsstoffe").

Zur Beurteilung der Lärmexposition gibt die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung verschiedene Auslösewerte vor, die – wenn sie erreicht oder überschritten werden – Präventionsmaßnahmen nach sich ziehen. Ein Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8h ab 80 dB(A) bzw. ein Spitzenschalldruckpegel LpCpeak ab 135 dB(C) erfordert:

  • Information der Beschäftigten (bei Erreichen des Auslösewertes)
  • Bereitstellung von Gehörschutz (bei Überschreiten des Auslösewertes)
  • Angebot von arbeitsmedizinischer Vorsorge (bei Überschreiten des Auslösewertes).

Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8h von 85 dB(A) beziehungsweise einem Spitzenschalldruckpegel LpCpeak von 137 dB(C) gilt:

  • Tragepflicht für Gehörschutz (bei Erreichen des Auslösewertes)
  • Arbeitsmedizinische Vorsorge veranlassen (Pflichtvorsorge, bei Erreichen des Auslösewertes)
  • Kennzeichnung von Lärmbereichen (bei Überschreiten des Auslösewertes)
  • Aufstellung eines Lärmminderungsprogramms (bei Überschreiten des Auslösewertes).

Ein vom IFA gemeinsam mit dem Fachbereich Holz und Metall bei der DGUV erstellter Flyer gibt einen zusammenfassenden Überblick über die Inhalte der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung. Dieser Flyer kann heruntergeladen oder beim IFA angefordert werden. Eine ausführliche Darstellung der gesetzlichen Bestimmungen findet sich auch in den vom IFA herausgegebenen Taschenbüchern zur Messung und Beurteilung von Lärm im Betrieb (0 Dezibel 0 Dezibel = 3 Dezibel; Lärmmessung im Betrieb).

Vorschriften herunterladen:

Ansprechpartner

Dr. rer. nat. Sandra Dantscher

Fachbereich 4: Arbeitsgestaltung, Physikalische Einwirkungen

Tel: 02241 231-2613
Fax: 02241 231-2234