Unternehmen in Bewegung - Sport, Gesundheit, Arbeit

Zehn praktische Konsequenzen der Tagung

Frau am Strand

Am 1. und 2. Oktober 2004 diskutierten rund 100 Teilnehmer aus Unternehmen, Berufsgenossenschaften, Betriebskrankenkassen, Universitäten und Verbänden im BG-Institut für Arbeit und Gesundheit (BGAG) in Dresden über aktuelle Trends im Unternehmenssport.

Die Ergebnisse dieser Tagung können in zehn Punkten zusammen gefasst werden.

  1. Vom Betriebssport zu Corporate Activity
    Der moderne Unternehmenssport bietet den Mitarbeitern über die traditionellen Sportarten hinaus neue attraktive Angebote in den Bereichen Freizeit- , Trend- und Gesundheitssport. Dies reicht von Indoorcycling bis QiGong, von Fitness bis Golf. Darüber hinaus können für die Mitarbeiter und Arbeitsbereiche Events und gemeinsame Veranstaltungen, ein Informationsservice über Gesundheitssport, ein Sportservice mit Sportartikeln und Sportreisen etc, sowie diverse Aktivitäten über Kooperationen mit kommerziellen Institutionen (z. B. hauseigenes Fitnesscenter mit externer Leitung) angeboten werden

  2. Reha-Sport
    In enger Kooperation mit dem Personalbereich, dem betriebsärztlichen Dienst, der Sozialberatung und der Betriebskrankenkasse werden Mitarbeitern bei chronischen Erkrankungen entsprechende Sport- und Bewegungsprogramme im Sinne einer Frührehabilitation angeboten (z. B. nach Herzinfarkten, bei chronischen Rückenbeschwerden oder Rücken-Erkrankungen).

  3. Mitarbeiterorientierte Angebote
    Die Übungszeiten werden nach den Wünschen und Bedürfnissen der Mitarbeiter gestaltet (z. B. nach Arbeitsschichten). Zeitliche Flexibilität der Angebote und standortübergreifende Programme sind in der heutigen Arbeitswelt erforderlich.

  4. Einfluss auf Lebensführung
    Die Angebote motivieren die Mitarbeiter und Führungskräfte zu einem gesunden Lebensstil auf dem Gebiet der Ernährung, Bewegung und Entspannung/Stressbewältigung. Durch die Einbindung in Sportgruppen kann dies zu einer nachhaltigen Verbesserung des Gesundheitszustandes führen.

  5. Best-Practice-Beispiele
    Einige große Unternehmen in Deutschland haben bereits ein vielfältiges Sportangebot für ihre Mitarbeiter. Sie sind gerne bereit, ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen. Die Veranstalter der Tagung können auf Anfrage eine Liste mit Ansprechpartnern in Unternehmen zur Verfügung stellen.

  6. Klein- und Mittelunternehmen (KMU)
    Auch KMUs können ihren Mitarbeitern Sportangebote machen, in dem sie z.B. mit anderen Unternehmen, mit Vereinen, Fitness-Studios oder anderen Sporteinrichtungen kooperieren. Unternehmen, die nicht über eigenes qualifiziertes Personal für Sportangebote im Betrieb verfügen, können auf private Dienstleister zurück greifen.

  7. Nutzen aus Unternehmenssicht
    Mitarbeiterorientierte Angebote unterstützen das Recruting und die Bindung hochqualifizierter Mitarbeiter. Der Unternehmenssport ist fester Bestandteil der Work-Life-Balance, verbessert die Gesundheit und trägt somit zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter bei. Auf die Förderung der Gesundheit ausgerichtete Sport- und Bewegungsangebote rechnen sich für das Unternehmen finanziell durch geringere krankheitsbedingte Fehlzeiten, wie Unternehmensbeispiele zeigen. Darüber hinaus erhöht ein attraktives Angebot rund um das Thema Gesundheit und Freizeit die Identifikation der Mitarbeiter mit der Firma und steigert ihre Motivation und Arbeitszufriedenheit.

  8. Unterstützung der Personalentwicklung
    Unternehmenssport fördert soziale Kompetenzen (z. B. wertschätzender Umgang miteinander, Toleranz, mitarbeiterorientiertes Führen, Übernahme von Verantwortung). Trainingsmöglichkeiten zur Verbesserung der Konzentration, Stressbewältigung und Teamfähigkeit werden geboten. Darüber hinaus ist der Unternehmenssport eine ideale Plattform, um informelle Strukturen, ein kollegiales Miteinander sowie ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln.

  9. Unterstützung durch Berufsgenossenschaften
    Bei Sportunfällen übernehmen die Berufsgenossenschaften die gleichen Leistungen wie bei Arbeitsunfällen, sofern es sich um ein vom Unternehmen getragenes Sportangebot handelt und die Sporttreibenden Mitglieder einer Betriebssportgemeinschaft sind. Darüber hinaus unterstützen die Berufsgenossenschaften) Präventionsmaßnahmen von Unfällen beim Betriebssport.

  10. Einbindung in betriebliche Strukturen
    Moderne Sport- und Bewegungsangebote, die in einem ganzheitlichen Sinne gesundheitsförderlich wirksam sind, stellen - vergleichbar mit der betrieblichen Sozialarbeit - einen wichtigen Baustein im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements dar. Sie sollten auch strukturell in den Bereich der Human Ressource/Gesundheitsmanagement integriert und intern mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz, der Arbeitsmedizin, der Personalarbeit, der Personal- und Organisationsentwicklung, der Sozialberatung sowie extern mit der Betriebskrankenkasse und der zuständigen Berufsgenossenschaft vernetzt werden. Dies ermöglicht Synergien, die in Anbetracht schwindender finanzieller und personeller Ressourcen und einer älter werdenden Belegschaft für Unternehmen und Gesellschaft zunehmend wichtiger werden.

Autoren:
Dr. Ulrich Winterfeld, BGAG
Bärbel Wahl, Siemens Active e.V.
Ute Westerhoff, BKK Bundesband