Die Arbeitswelt im demografischen Wandel

Musterarbeitsplatz Montage

Musterarbeitsplatz Montage im Praxisfeld Ergonomie

Der vielfach diskutierte demografische Wandel in den europäischen Industriestaaten führt dazu, dass immer mehr ältere Mitarbeiter zunehmend länger arbeiten werden müssen. „Länger gesund arbeiten können“ ist daher ein Präventionsziel, zu dem die Unternehmen häufig Beratungsbedarf haben. Das IAG hat mit verschiedenen Projekten dieses Thema für die Unfallversicherungsträger in Forschung und Beratung, Qualifizierung sowie Veranstaltungen aufgearbeitet. Zum Teil werden die Fragestellungen gemeinsam mit der Initiative Gesundheit und Arbeit - iga bearbeitet. Eine Auswahl der Aktivitäten wird Ihnen hier vorgestellt:

Forschung und Beratung

  • Ausgehend von Analysen der im Alter beim Menschen zunehmenden Stärken und Schwächen wurden Musterarbeitsplätze in den Bereichen Montage- und Bildschirmarbeit entwickelt. Diese Arbeitsplätze wurden unter Beachtung der grundlegenden arbeitswissenschaftlichen und ergonomischen Erkenntnisse aufgebaut und erprobt. Es zeigte sich, dass bereits durch die gute ergonomische Gestaltung die meisten im Alter auftretenden Defizite kompensiert werden. Zusätzlich sind nur wenige spezielle Maßnahmen erforderlich, um die Arbeitsplätze an die Bedürfnisse der Älteren anzupassen. Die altersgerechte Gestaltung ist auch für jüngere Arbeitnehmer günstig. Das bedeutet also als Grundlage für Beratung im Betrieb: Prävention für alle Generationen.
  • Berufe mit einer hohen physischen oder psychischen Belastung (z. B. Bau- und Metallgewerbe, Krankenpflege) führen häufiger als andere zu Frühverrentung, Vorruhestand oder zu Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer. Im iga-Projekt "Mein nächster Beruf - Berufe mit begrenzter Tätigkeitsdauer“ Teil 1; Teil 2; Teil 3wurde deshalb erforscht, inwieweit Tätigkeits- bzw. Berufswechsel ein Ansatzpunkt sind, um beschäftigungsfähig zu bleiben. Für mehrere Modellberufe wurden Erkenntnisse zu Frühwarnindikatoren einer Berufsaufgabe und den Eigenschaften und Voraussetzungen erfolgreicher Berufswechsler gewonnen. Im Ergebnis konnten notwendige Maßnahmen abgeleitet und daraus ein Beratungskonzept entwickelt werden.
  • Der im Projekt „Mein nächster Beruf“ beschriebene Ansatz wurde im INQA-Projekt „Horizontaler Berufsumstieg – eine neue Chance für ältere Beschäftigte“ erweitert. Hier wurde ein Digitaler Wegweiser entwickelt, der dem einzelnen Beschäftigten sowie Unternehmen Informationen rund um das Thema Demografie bereitstellt. Kernstück des Digitalen Wegweisers ist ein IT-Instrument zur Suche nach geeigneten Umstiegsberufen. Ist absehbar, dass der gegenwärtige Beruf trotz präventiver Maßnahmen aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zur Rente ausgeübt werden kann, bietet dieses Instrument die Möglichkeit zur Suche nach einem „neuen“ Beruf, der für eine Neuorientierung geeignet sein könnte.
  • iga-Barometer 2013: Zum vierten Mal wurde die repräsentative Umfrage durchgeführt, in der etwa 2.000 Beschäftigte nach dem Stellenwert und der Einschätzung der Arbeit befragt werden. „Können Sie sich vorstellen, Ihre derzeitige Arbeitstätigkeit bis zum 65. bzw. 67. Lebensjahr auszuüben?" Insgesamt antworten 48,7%, dass dies für sie durchaus denkbar ist. Das bedeutet aber auch, dass sich die Hälfte der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen dies nur eingeschränkt vorstellen können. Das iga.Barometer wurde auch schon 2004, 2007 und 2010 durchgeführt. Man kann also nach Trends in den Antworten suchen: Nachdem von 2004 auf 2010 bei Frauen der Anteil, die die obige Frage positiv beantworten, um fünf Prozent gestiegen ist, geht dieser Anteil 2013 wieder zurück. Bei Männern bleibt der Wert recht konstant zwischen 50 und 51%. Im iga.Report 26 sind die Werte nach Alter, Schulabschluss und Berufen weiter aufgeschlüsselt.

Seminare und Veranstaltungen

  • Auf der Grundlage des INQA-Curriculums wurde im IAG eine Seminarreihe entwickelt, die zum Demografie-Berater qualifiziert. Mit drei Modulen werden Präventionsfachleute in die Lage versetzt, die künftige Altersentwicklung ihres Betriebs und deren Bedeutung realistisch einzuschätzen. Bewährte Maßnahmen zur Erhaltung der Innovationsfähigkeit der Mitarbeiter werden vermittelt.
  • Das Thema wird auch in weiteren Seminaren wie z.B. Lebenserfahrung und Beruf: Arbeitsgestaltung im demografischen Wandel aufgegriffen.
  • Die iga-Veranstaltungsreihe "Gesund und sicher länger arbeiten" findet alle zwei Jahre statt und variiert dabei ihren thematischen Schwerpunkt. Mit dem Untertitel „Wissen das(s es) weitergeht“ beschäftigte sich das Kolloquium am 16. und 17. März 2015 mit den Themen Wissenstransfer und Kompetenzentwicklung in der Praxis.

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