Neue Formen der Arbeit

Person im Auto

Mobile IT-gestützte Arbeit

Die menschliche Arbeit konstituiert sich im Spannungsfeld der drei Dimensionen Mensch, Organisation und Technik. Grundlegende Veränderungen in einer oder mehreren dieser Dimensionen wirken sich daher auch auf die Arbeit aus: Auf die Bedingungen und Möglichkeiten von Arbeitsformen, auf die Anforderungen an konkrete Arbeitsprozesse oder Arbeitsmittel, oder auf die Belastungen und Beanspruchungen, die für das Individuum aus der Arbeit resultieren. Auf diese Weise entstehen neue Formen der Arbeit, die sich von den bisher existierenden Arbeitsformen in wesentlichen Aspekten unterscheiden.

Veränderungen können prinzipiell in jeder der drei Dimensionen stattfinden, auch wenn die auffälligsten Veränderungen derzeit im Bereich der Technologie, speziell auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie stattfinden. Einige dieser grundlegenden derzeit stattfindenden Veränderungen sind:

Dimension Mensch

Dimension Organisation Dimension Technologie Je nach Stärke und unter Umständen in Abhängigkeit von weiteren Faktoren führen diese grundlegenden Veränderungen auch zu Veränderungen in der Arbeitswelt: Bisher vorherrschende traditionelle Arbeitsformen werden verändert oder sterben womöglich ganz aus, bisher noch nicht existierende neue Arbeitsformen werden dafür gebildet. So entstehen beispielsweise aus dem Aufeinandertreffen von neuen Unternehmensregimen und dem individuellen Wandel in der Auffassung von Arbeit neue individuelle Arbeitsformen, wie z.B. das Freelancertum. Und die Mobilisierung von Personen und Prozessen wird erst durch den Einsatz leistungsfähiger mobiler Informationstechnik richtig schlagkräftig in Form mobiler IT-gestützter Arbeit.

Einige Beispiele für solche neuen Arbeitsformen, die aus einer oder einer Kombination mehrerer Veränderungen in den Dimensionen der Arbeit entstehen, sind:

Für den arbeitenden Menschen entstehen in den neuen Arbeitsformen in allen drei Dimensionen ebenfalls neue Belastungen, wie z.B. Die sichere und gesunde Gestaltung neuer Arbeitsformen erweist sich als außerordentlich schwierig. Die Gründe hierfür sind dreifach:

  1. Veränderungsimpulse können einerseits grundlegend sein. Beispiele für solche primären Veränderungsimpulse sind grundsätzliche neue Innovationen im Bereich der Technik, die in die Arbeitswelt integriert werden. Anderseits können als Folge von Veränderungen weitere, sekundäre Veränderungsimpulse entstehen – und aus diesen wiederum tertiäre usw. Zweckmäßigerweise sollte eine Arbeitsgestaltung zunächst an den primären Veränderungsimpulsen ansetzen. Die Zuordnung von Veränderungsimpulsen zu primären, sekundären, tertiären usw. Impulsen ist nicht trivial.
  2. Belastungsfaktoren können aus verschiedensten Bereichen entstammen. Neben den klassischen Faktoren wie Arbeitsmittelergonomie, Beleuchtung und Lärm sind auch unzureichend gestaltete Geschäftprozesse, eine fehlende oder zu hierarchische Führungskultur oder auch ein schlechtes Unternehmensklima Quellen von negativen Belastungsfaktoren sein. Sinnvollerweise sollte eine Arbeitsgestaltung ganzheitlich Belastungsfaktoren angehen. Diese große Vielfalt der Belastungsquellen zu analysieren ist jedoch schwierig.
  3. Die Beziehungen zwischen Veränderungsimpulsen und stattfindenden Veränderungen bzw. Belastungsfaktoren und resultierenden Beanspruchungen sind nicht unbedingt monokausal. Ist beispielsweise im klassischen Bereich die Kausalität zwischen einer zu  großen Lärmbelastung im Laufe des Arbeitslebens und der Ausbildung einer Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit in der Regel gut darstellbar, ist die Kausalbeziehung zwischen einem speziellen Faktor der Unternehmenskultur und der Ausbildung einer Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems kaum beweisbar.

Erkenntnisse für die Gestaltung neuer Arbeitsformen aus der Sicht des Arbeitsschutzes liegen daher bisher nur für wenige dieser Arbeitsformen und hier auch noch nicht in umfassender und systematischer Weise vor. Angesichts der zunehmenden Verbreitung neuer Arbeitsformen besteht hier daher noch großer Handlungsbedarf.

Ausgewählte neue Arbeitsformen stehen daher bereits seit einiger Zeit im Fokus der Forschungs- und Präventionsaktivitäten der DGUV und der Unfallversicherungsträger.

Sachgebiet "Neue Formen der Arbeit" beim Fachbereich "Organisation des Arbeitsschutzes"

Die Aktivitäten der DGUV zu sicherem und gesundem Arbeiten in neuen Arbeitsformen werden zukünftig weiter ausgedehnt.

Ansprechperson

Dr. Markus Kohn
Abteilung Sicherheit und Gesundheit (SiGe)
Referat "Betriebliche Arbeitsschutzorganisation"
Tel.: 02241 231-1329