Bundesfinale "Jugend forscht" 2014 in Künzelsau

Christoph Linz aus Stadelhofen und Christoph Lieberth aus Hirschaid
Bild: Jugend forscht

Den 49. Bundeswettbewerb richtete die Stiftung Jugend forscht e.V. gemeinsam mit der Adolf Würth GmbH & Co. KG vom 29. Mai bis 1. Juni 2014 in Künzelsau aus. Der Bundeswettbewerb war der Höhepunkt der Wettbewerbsrunde, an der 12298 Jugendliche mit 6432herausragenden Projekten teilgenommen haben. Der Wettbewerb stand in diesem Jahr unter dem Motto "Verwirkliche Deine Idee".

Ins Finale geschafft haben es 209 Jungforscherinnen und Jungforscher mit 114 Projekten, die bei einem der "Jugend forscht"-Landeswettbewerbe den ersten Preis in einem der sieben Fachgebiete Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik gewonnen haben.

Preisträger des DGUV-Preises für Prävention und Rehabilitation wurden Christoph Linz (18 Jahre) aus Stadelhofen und Christoph Lieberth (18 Jahre) aus Hirschaid.

Ziel der Forschungsarbeit war die Vorbeugung von Rückenerkrankungen bei Beschäftigten in der Landwirtschaft. Dafür optimierten sie eine in diesem Bereich häufig ausgeführte Tätigkeit: Möchte ein Landwirt einen Anhänger ankuppeln, stellt er oftmals erst fest, dass die Höhe der Kupplung nicht passend eingestellt ist, wenn der Anhänger bereits direkt an dem Traktor steht. Die Folge: Der Fahrer kann die Kupplung und auch das sogenannte bis 35 kg schwere Zugmaul nur noch sehr schwer erreichen. Die beiden Nachwuchsforscher entwickelten eine spezielle Vorrichtung, die die Höhenverstellung per Handrad oder Hydraulik ermöglicht und so hilft, den Rücken zu schonen.

Zugleich wurde diese Arbeit mit dem dritten Preis im Fachgebiet Arbeitswelt ausgezeichnet.

Gleich zwei Preise erhielt der Bundessieger im Fachgebiet Arbeitswelt. Kilian Rebmann (22 Jahre) aus Biederbach erhielt auch den Preis für nachwachsende Rohstoffe. Thema seiner Forschungsarbeit war der Bau einer neuartigen Maschine zur Ernte von Energieholz. Sogenannte Energieholzplantagen sind Felder mit schnellwachsenden Gehölzen, die zur Energiegewinnung genutzt werden. Wirtschaftlich ist der Anbau aber nur, wenn sich die Hölzer maschinell ernten lassen. Kilian Rebmann konstruierte daher in vierjähriger Arbeit eine spezielle Erntemaschine, die an einen Traktor gekoppelt wird. Diese kann die Stämme in Gänze ablegen, so dass eine optimale Qualität des Hackgutes garantiert ist. Die funktionstüchtige Maschine des Jungforschers überzeugt durch moderate Anschaffungskosten und die Einsatzmöglichkeit auf unterschiedlichstem Gelände. Besonders beeindruckt hat die Jury die systematische, langjährige Weiterentwicklung – von der Idee bis zur fertigen Erntemaschine.

Mit dem zweiten Preis des Fachgebietes Arbeitswelt sie dem Preis für Umwelttechnik wurde Fabian Schmitz (15 Jahre) aus Solingen ausgezeichnet. Der Hobbyimker entwickelte eine Bienenschätzungs-App, nachdem er im letzten Herbst die Größe eines Bienenvolks selbst bestimmen musste. Das klassische Schätzverfahren konnte ihn allerdings nicht überzeugen. Er suchte nach Alternativen und entwickelte eine Android-App, die Bienen auf dem Handyfoto einer Wabe erkennen kann. Anhand dieser Bildanalysedaten berechnet die Anwendung die genaue Anzahl der Bienen einer Population. So lässt sich künftig nicht nur die Winterfütterung optimieren, sondern auch die Säure zur Behandlung gegen die Varroamilbe genauer dosieren.

Der vierte Preis des Fachgebiets Arbeitswelt und ein Forschungsaufenthalt an der University of Rhode Island, USA, gingen an Otto Edler (18 Jahre) aus Stendal für die Entwicklung einer neuen Software, die eine Webentwicklung auch mit dem Smartphone ermöglicht. Internetseiten werden immer häufiger mit sogenannten Content-Management-Systemen, kurz CMS, erstellt und verwaltet. Wirklich funktionsfähig sind diese bislang allerdings nur auf traditionellen PCs und Notebooks. Schwierig wird es dagegen bei mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets, da diese oft nur über einen kleinen Bildschirm und eine langsame Internetverbindung verfügen. Otto Edler hat dieses Problem gelöst und eine neue CMS-Software entwickelt, die auf allen Endgeräten funktioniert.

Den fünften Preis des Fachgebiets Arbeitswelt und einen der zwei Preise für Auszubildende erhielten Robert Scharpf (19 Jahre) aus Gelnhausen Roth, René Kopietz (19 Jahre) aus Hanau Großauheim und Xaver Friedrich (19 Jahre) aus Albstadt. Ziel ihrer Arbeit war es, eine automatisierte Gießvorrichtung für die Herstellung von Hufeisen aus Zinkpellets zu entwickeln. Ohne Automatisierung ist das eine langwierige Aufgabe. Um den Prozess zu beschleunigen, entwickelten die Jungforscher eine neuartige Gießvorrichtung, die diese Arbeitsschritte automatisch ausführt. Dadurch konnten sie die Geschwindigkeit des Produktionsablaufs deutlich steigern und zudem die Sicherheit des Verfahrens erhöhen.

Auf das Fachgebiet "Arbeitswelt" entfielen noch drei Sonderpreise:

Den Preis für eine besondere technische Leistung der Heinz und Gisela Friedrichs Stiftung ging an Jannis-Martin Schwedt (18 Jahre) aus Barntrup, Robin Simonsmeier (18 Jahre) aus Barntrup und Patrik Eikermann (19 Jahre) aus Extertal. Sie entwickelten eine "Smart Fire Station", die die Einsatzabläufe bei der Feuerwehr optimieren soll. Dazu analysierten sie zunächst die Einsatzabläufe und fanden so heraus, dass beispielsweise das Öffnen eines Tores oder das langsame Hochfahren der Feuerstationsbeleuchtung viel Zeit kostet. Die Optimierung dieser Vorgänge realisierten die Jungforscher in einem Modell, in dem Licht und Tore automatisch gesteuert werden. Ihr Konzept wurde bei der Feuerwehr mit großem Interesse aufgenommen und soll nun auch in der Praxis Anwendung finden.

Eine Einladung der Europäischen Kommission zum Besuch im Joint Research Centre in Ispra, Italien, bekamen Jonathan Kreilaus (18 Jahre) aus Gerbach, Julian Merkel (18 Jahre) und Jonas Opp (18 Jahre) aus Rockenhausen für die Erforschung, welche Wirkung wechselnde Spielzeuge auf die Gesundheit von Schweinen haben. In der Vergangenheit führten die Haltungsbedinungen in der Schweinemast bei den Tieren schnell zu Langeweile. Das hatte zur Folge, dass sich die Tiere oftmals gegenseitig Verletzungen zufügten. Um dem entgegenzuwirken, schreibt die Europäische Union mittlerweile den Einsatz von Spielzeugen in Ställen vor. Die Jungforscher stellten allerdings fest, dass diese den schlauen Tieren noch immer nicht genügend Abwechslung bieten. Um die Schweine dauerhaft zu beschäftigen, entwickelten sie ein Gerät, das die Spielzeuge automatisch wechselt. In umfangreichen Untersuchungen konnten sie nachweisen, dass die Verletzungsrate bei der Verwendung ihres Spielzeugwechslers deutlich sinkt.

Der Preis für Robotik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ging an Christopher Kolling (21 Jahre) aus Weißkirchen, Karten Jakobs (19 Jahre) aus Losheim am See und Sandro Schmitz (19 Jahre) aus Lebach. Ziel ihrer Arbeit war der Schutz vor optischer Strahlung bei Roboterlaserköpfen. Laser werden heute in vielen Berufen eingesetzt – und das, obwohl Laserlicht bei längerer Betrachtung die Augen schädigt. Im Sinne der Arbeitssicherheit sollte der Schutz der Augen daher immer gewährleistet sein. Das gilt auch für Laserschweißanlagen, bei denen die Arbeiter beim Einmessen der Werkstücke den Laserstrahl beobachten müssen und so der Strahlung ausgesetzt sind. Die Jungforscher konstruierten ein modulares Messsystem, das die Werkstücke automatisch in die Maschine einpasst. Ein weiterer Vorteil: Ihr System erledigt diese zeitaufwendige Arbeit auch noch wesentlich schneller als ein Arbeiter dies vermag. Diese Arbeit erhielt auch den Preis für Auszubildende des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall.

Gastgeber des 50. Bundeswettbewerbs Jugend forscht im Jahr 2015 wird vom 27. bis 31. Mai 2015 BASF in Ludwigshafen sein.

Informationen zu allen Preisträgern finden Sie unter www.jugend-forscht.de.

Weitere Informationen