EU-Empfehlungen für faire Praktika

Ausbilderin im Gespräch mit Praktikantin

Bild: Daniel Pfarr / Unfallkasse Berlin

Junge Menschen sollen durch Praktika qualitativ hochwertige Arbeitserfahrungen zu sicheren und fairen Bedingungen sammeln können, um so ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz zu steigern. Um einheitliche Mindeststandards und Beurteilungskriterien in den Mitgliedstaaten einzuführen, hat der Rat der Europäischen Union am 10. März 2014 auf Vorschlag der EU-Kommission Empfehlungen zu einem Qualitätsrahmen für Praktika verabschiedet (2014/C 88/01).

In den Empfehlungen sind auch grenzübergreifende Praktika erfasst, da diesen eine besondere Bedeutung bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zukommt. Bisher beträgt der Anteil an grenzübergreifenden Praktika europaweit nur 9 Prozent, da die Praktikumsbedingungen in anderen Mitgliedstaaten oft nicht bekannt sind.

Für frei gewählte Praktika spricht der Rat folgende Empfehlungen aus:

  • Praktika sollen in der Regel maximal sechs Monate dauern.
  • Sie sollen auf einer schriftlichen Vereinbarung beruhen.
  • In der Vereinbarung muss geregelt sein, ob es eine Entlohnung oder Aufwandsentschädigung gibt und wie hoch diese ist.
  • Es soll aus der Vereinbarung klar hervorgehen, welche Lerninhalte angestrebt werden und wie die Arbeitszeiten sind.
  • Die Praktikumsanbieter sollen darüber informieren, ob und in welchem Umfang eine Kranken- und Unfallversicherung besteht.
  • Bereits in der Stellenausschreibung soll transparent angegeben werden, ob es sich um ein bezaltes Praktikum handelt oder nicht.
  • Zu grenzübergreifenden Praktika wird vorgeschlagen, dass die nationalen Rechtsrahmen geklärt sowie klare Regelungen für die Aufnahme von Praktikanten aus anderen Mitgliedstaaten bzw. deren Entsendung in andere Mitgliedstaaten festgelegt werden.
  • Der Informationsaustausch über das europäische Portal zur beruflichen Mobilität EURES soll gefördert werden. Grenzüberschreitende Praktika sollen auch verstärkt im Rahmen des Programms Erasmus+ angeboten werden.

In Deutschland sind Praktikanten und Praktikantinnen während des Praktikums gegen Arbeits- und Wegeunfälle versichert. Die Empfehlungen betreffen jedoch nur solche Praktika, die auf dem freien Markt zustande kommen, also nicht Bestandteil einer Ausbildung, oder eines Schul- bzw. Hochschulbesuchs sind.

Die Ratsempfehlung ist ein nicht verbindlicher Rechtsakt der EU. Die Vorschläge der Empfehlung sollen helfen, einheitliche Mindeststandards und Beurteilungskriterien in den Mitgliedstaaten einzuführen.